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Intervallfasten: sinnvolle Strategie oder nur Hype?

Aktualisiert: vor 6 Tagen


Intervallfasten: sinnvolle Strategie oder nur Hype?


Intervallfasten ist überall: Social Media, Magazine, Podcasts.16:8, 5:2, „nur essen zwischen 10 und 18 Uhr“ – kaum ein Ernährungsthema sorgt aktuell für so viel Aufmerksamkeit.

Die Versprechen klingen groß: besserer Stoffwechsel, weniger Gewicht, mehr Energie, Anti-Aging-Effekte. Aber wie viel davon ist wirklich wissenschaftlich belegt – und für wen kann Intervallfasten sogar eher problematisch sein?


In diesem Beitrag schauen wir nüchtern auf die Datenlage und ordnen ein, wo Intervallfasten sinnvoll sein kann, wo Grenzen sind und worauf du in der Praxis achten solltest.


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Was ist Intervallfasten überhaupt?


Intervallfasten (Intermittent Fasting) ist keine klassische „Diät“, sondern ein bestimmtes Essensmuster: Es wird zwischen Phasen mit Nahrungsaufnahme und Phasen ohne Kalorienzufuhr gewechselt.


Die bekanntesten Formen sind:

  • 16:8 16 Stunden Fasten, 8 Stunden Essensfenster

  • 14:10 etwas moderater, oft alltagstauglicher

  • 5:2 5 Tage normal essen, an 2 Tagen pro Woche stark reduzierte Kalorienzufuhr

  • Time-Restricted Eating (TRE) Essen ist z. B. auf ein 8–10-Stunden-Fenster tagsüber begrenzt



Fasten bedeutet in diesem Zusammenhang: Keine Kalorien. Wasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee sind in der Regel erlaubt.


Wichtig: Intervallfasten sagt zunächst nur etwas darüber aus, wann gegessen wird – nicht automatisch etwas über die Qualität der Ernährung.


Was sagen Studien zu Intervallfasten?

Die gute Nachricht vorweg: Intervallfasten kann bei manchen Menschen positive Effekte auf Gewicht und Stoffwechselparameter haben – vor allem, wenn vorher eher unstrukturiert und spät gegessen wurde.



In Studien wurden unter anderem Verbesserungen gesehen bei:

  • Körpergewicht und Körperfett

  • Blutdruck

  • Blutfetten

  • Insulinsensitivität


Die weniger spektakuläre, aber wichtige Ergänzung: In direkten Vergleichen schneidet Intervallfasten oft nicht besser ab als eine klassische Kalorienreduktion, wenn die Energiezufuhr insgesamt ähnlich ist.



In einer viel beachteten Studie wurden beispielsweise zwei Gruppen verglichen:

  • Gruppe A: Kalorienreduktion über den Tag

  • Gruppe B: Kalorienreduktion plus Zeitfenster von 8 Stunden (Time-Restricted Eating)


Nach einem Jahr waren Gewicht, Körperfett und Risikofaktoren in beiden Gruppen vergleichbar. Das zeigt:Nicht die Uhrzeit allein entscheidet, sondern nach wie vor die Gesamtbilanz aus Energiezufuhr, Nährstoffqualität, Bewegung, Schlaf und Stress.




Intervallfasten in den Wechseljahren: Chance mit Vorbehalt


Gerade für Frauen in den Wechseljahren ist Intervallfasten ein großes Thema: Stoffwechselveränderungen, Gewichtszunahme am Bauch, mehr Müdigkeit – verständlich, dass einfache Lösungen attraktiv wirken.


Studien deuten darauf hin, dass Intervallfasten bei Frauen nach der Menopause:

  • Gewicht und Körperfett reduzieren kann

  • Insulinempfindlichkeit und Blutfette verbessern kann

  • In Kombination mit Bewegung (z. B. Krafttraining oder Intervalltraining) zusätzliche Vorteile bringen kann


Aber: Die Datenlage speziell in dieser Lebensphase ist noch überschaubar, und nicht jede Frau profitiert gleich gut.Gerade ein Körper, der ohnehin schon mit hormonellen Umstellungen, Schlafproblemen und Stress beschäftigt ist, reagiert auf zusätzliche Belastungen manchmal sensibel.

Entscheidend ist hier immer die individuelle Reaktion – nicht der Trend.


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Intervallfasten - für wen geeignet und für wen nicht?

Wo liegen die Risiken und Grenzen von Intervallfasten?

Intervallfasten ist nicht automatisch „gesund“ – und schon gar nicht für jede Person in jeder Lebensphase.



1. Essverhalten und Essstörungen

Für Menschen mit:


  • emotionalem Essen

  • Essanfällen

  • starkem Diät-Vergangenheit

  • aktuellen oder früheren Essstörungen


kann Intervallfasten kontraproduktiv sein.



In verschiedenen Untersuchungen zeigte sich, dass restriktive Essenszeitmodelle bei vulnerablen Personen:

  • das Denken um Essen verstärken

  • Heißhunger und Kontrollverlust im Essensfenster fördern

  • Schuldgefühle und schlechtes Körperbild verstärken können


Typische Warnsignale sind: starke Gedankenfixierung auf Essen („Ich denke nur noch daran, wann ich wieder essen darf.“), wiederkehrende Essanfälle im Essensfenster oder Schwarz-Weiß-Denken („Entweder perfekt im Plan oder komplett versagt.“)

In solchen Fällen kann Intervallfasten mehr Stress erzeugen als gesundheitlichen Nutzen bringen.



2. Herz-Kreislauf-Risiko – offene Fragen

Eine große Beobachtungsstudie hat für Aufsehen gesorgt: Menschen, die nur innerhalb eines sehr kurzen Essensfensters (z. B. 8 Stunden) aßen, hatten ein höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben als Menschen mit längeren Essensfenstern.


Wichtig ist die Einordnung:

  • Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, keine Interventionsstudie

  • Viele mögliche Störfaktoren (Schlaf, Stress, sozioökonomische Faktoren, Bewegungsverhalten) lassen sich im Nachhinein nur begrenzt kontrollieren


Die Botschaft ist daher nicht: „Intervallfasten ist gefährlich“. Sondern: Bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte Intervallfasten keinesfalls „auf eigene Faust“ ausprobiert werden, sondern immer in enger Abstimmung mit Ärzt:innen.


3. Für wen Intervallfasten geeignet ist und für wen nicht:


Grundsätzlich nicht oder nur unter enger ärztlicher Begleitung empfohlen ist Intervallfasten bei:


  • aktuellen oder früheren Essstörungen

  • Untergewicht

  • ausgeprägtem emotionalem Essen und Essanfällen

  • Schwangerschaft und Stillzeit

  • Kindern und Jugendlichen

  • bestimmten hormonellen Störungen

  • insulinpflichtigem Diabetes und anderen komplexen Stoffwechselerkrankungen

  • schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen


Hier ist eine individuelle Risiko-Nutzen-Abwägung notwendig – nicht der nächste Social-Media-Trend.

Intervallfasten kann eine Option sein, wenn:

  • du gesund bist und kein gestörtes Essverhalten hast

  • du ohnehin nicht gerne sehr spät abends isst

  • du mit einem klaren Rahmen besser zurechtkommst als mit „den ganzen Tag ein bisschen snacken“

  • du bereit bist, nicht nur auf die Uhr, sondern auch auf die Qualität deiner Ernährung zu schauen

Dann kann ein moderates Modell – z. B. 12:12 oder 14:10 – helfen:

  • späte Snacks und nebenbei Essen zu reduzieren

  • mehr Struktur in deinen Essalltag zu bringen

  • Blutzuckerschwankungen zu glätten

  • bewusster zu essen statt ständig „nebenher“


Wichtig: Es ist völlig in Ordnung, kein Intervallfasten zu machen. Eine ausgewogene, pflanzenbetonte, alltagstaugliche Ernährung funktioniert hervorragend – auch ohne festes Essensfenster.


Wenn Intervallfasten – dann bitte smart: 6 Leitplanken für die Praxis


Wenn du Intervallfasten ausprobieren möchtest, dann nicht als Challenge oder Selbsttest für Disziplin, sondern als gezielte Strategie mit klaren Grenzen.

Qualität vor Uhrzeit

Intervallfasten ersetzt keine gesunde Ernährung. Achte auf:

  • viel Gemüse und Obst

  • Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte

  • hochwertige Fette (z. B. Olivenöl, Nüsse, Samen)

  • ausreichend Protein, besonders bei Gewichtsreduktion und in den Wechseljahren

Das Zeitfenster ist ein Werkzeug – die Nährstoffqualität bleibt die Basis.



moderat starten

Statt direkt mit 16:8 zu starten, kann es sinnvoll sein, mit 12:12 oder 13:11 zu beginnen.Beobachte:

  • Energielevel über den Tag

  • Konzentration

  • Stimmung

  • Schlaf

Wenn du dich deutlich schlechter fühlst, ist das ein klares Signal.

Sättigung ernst nehmen

In den Essensphasen ist „so wenig wie möglich“ nicht das Ziel.Jede Mahlzeit sollte idealerweise enthalten:

  • eine gute Proteinquelle (z. B. Joghurt, Hülsenfrüchte, Ei, Fisch, Tofu)

  • Ballaststoffe (Gemüse, Vollkorn, Hülsenfrüchte)

  • gesunde Fette

Das stabilisiert Blutzucker und unterstützt natürliche Sättigungssignale.

Kein Dogma aus der Uhr machen

Starre Regeln („Ich darf strikt erst ab 12 Uhr essen, egal wie ich mich fühle“) sind selten gesund.

  • Soziale Anlässe, Reisen oder bestimmte Lebensphasen dürfen das Essensfenster flexibel machen

  • Wenn du merkst, dass dein Tag sich nur noch um Zeiten und Regeln dreht, ist das ein Warnsignal

Intervallfasten soll dein Leben vereinfachen, nicht dominieren.

Frauen & Wechseljahre: Körperfeedback priorisieren

In den Wechseljahren ist der Körper besonders sensibel für Stress. Fasten kann – je nach Konstitution – als zusätzlicher Stressor wirken.

Achte auf:

  • Schlafqualität

  • Stimmung und Reizbarkeit

  • Hitzewallungen

  • Heißhunger oder Essanfälle

Wenn sich diese Faktoren verschlechtern, kann Intervallfasten für dich aktuell nicht passend sein – oder du brauchst ein deutlich moderateres Modell.

Klare Stop-Kriterien definieren

Bevor du startest, lohnt es sich, persönliche Stop-Kriterien zu definieren, z. B.:

  • Zunahme von Heißhunger und Essanfällen

  • ständige Gedanken um Essen und Essenzeiten

  • spürbar mehr Müdigkeit, Reizbarkeit oder Antriebslosigkeit

  • deutliche Verschlechterung von Schlaf oder Stimmung

Intervallfasten ist ein Tool – kein Test, den du „bestehen“ musst.



Fazit: Werkzeug, kein Wundermittel

Intervallfasten ist weder Heilsbringer noch Feindbild.

  • Es kann bei manchen Menschen helfen, Gewicht und Stoffwechsel zu verbessern

  • Es ist aber nicht grundsätzlich „besser“ als andere gut geplante Ernährungsstrategien

  • Es ist nicht für jede Lebensphase und nicht für jede Person geeignet


Die entscheidende Frage ist weniger: „Fastest du – ja oder nein?“

Sondern:

„Passt dein Essensmuster zu deinem Körper, deinem Alltag und deiner psychischen Gesundheit?“

Wenn du merkst, dass Ernährungsregeln, Trends und „Challenges“ dich eher stressen als unterstützen, ist das ein starkes Signal für eine individuelle, alltagstaugliche Ernährungsstrategie – weg vom Diätdenken, hin zu nachhaltigen Gewohnheiten.

Genau dort setzt eine wissenschaftlich fundierte Ernährungstherapie an: nicht mit der nächsten schnellen Lösung, sondern mit einem Ansatz, der zu dir, deinem Leben und deiner Lebensphase passt.



 
 
 

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