PMS und Ernährung: Was bei Heißhunger, Stimmungstief und Beschwerden wirklich hilft
- Ebba Wagner

- vor 1 Tag
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In den Tagen vor der Menstruation verändern sich bei vielen Frauen Appetit, Stimmung und Körpergefühl. Manche haben mehr Hunger oder ein starkes Verlangen nach Süßem. Andere leiden unter Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen, Reizbarkeit oder Erschöpfung. Im Internet kursieren dafür lange Listen verbotener Lebensmittel und teurer „Hormon-Balance“-Produkte. Die wissenschaftliche Lage ist wesentlich nüchterner.
Beim prämenstruellen Syndrom treten körperliche oder psychische Beschwerden wiederholt in der zweiten Zyklushälfte auf und bessern sich mit Beginn der Menstruation. Eine prämenstruelle dysphorische Störung, kurz PMDS, ist schwerer und kann Alltag, Beziehungen und Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Ernährung kann Beschwerden beeinflussen, ist aber nicht die einzige Behandlung – und eine starke PMDS ist kein Problem, das mit mehr Disziplin beim Essen gelöst werden muss.
Ist mehr Hunger vor der Periode normal?
Der Energieverbrauch kann in der Lutealphase leicht ansteigen. Gleichzeitig können Hormonschwankungen Appetit, Stimmung und Belohnungsverarbeitung beeinflussen. Ein stärkerer Hunger ist deshalb nicht eingebildet. Wer versucht, exakt dieselben kleinen Portionen wie an weniger hungrigen Tagen einzuhalten, kann später umso stärkeres Verlangen erleben.
Eine hilfreiche Antwort ist, Mahlzeiten etwas sättigender zu gestalten. Kombiniere Kohlenhydrate mit Protein und Fett: Haferflocken mit Joghurt und Nüssen, Brot mit Ei oder Hummus, Reis mit Gemüse und Tofu, Kartoffeln mit Quark oder Fisch.
Kohlenhydrate müssen nicht gestrichen werden. Sie sind eine wichtige Energiequelle und können gerade an belastenden Tagen helfen, regelmäßiger zu essen.
Geplante Zwischenmahlzeiten sind ebenfalls erlaubt. Ein Snack am Nachmittag kann verhindern, dass aus langem Aushalten extremer Hunger am Abend wird. Das Ziel ist nicht, jedes Verlangen zu kontrollieren, sondern den Körper zuverlässig zu versorgen.

Calcium, Magnesium und Vitamin B6
Calcium gehört zu den besser untersuchten Nährstoffen bei PMS. Einige Studien zeigen, dass eine ausreichende Zufuhr Beschwerden reduzieren kann. Gute Quellen sind Milchprodukte, calciumreiches Mineralwasser, mit Calcium angereicherte Pflanzendrinks, calciumreicher Tofu und bestimmte grüne Gemüse. Ob ein Supplement nötig ist, hängt von der gesamten Ernährung und medizinischen Situation ab.
Magnesium wird häufig gegen Krämpfe, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen beworben. Die Studien sind klein und uneinheitlich. Eine ausreichende Zufuhr über Vollkorn, Nüsse, Samen, Hülsenfrüchte und Gemüse ist sinnvoll, eine hohe Einzeldosis auf Verdacht nicht. Magnesiumpräparate können Durchfall verursachen und mit Medikamenten wechselwirken. Eine individuelle Dosierung und Anpassung im Rahmen einer Nährstofftherapie ist deshalb empfehlenswert.
Auch Vitamin B6 wird eingesetzt. Zu hohe Mengen über längere Zeit können jedoch Nervenschäden verursachen. Gerade Kombinationspräparate enthalten manchmal unnötig hohe Dosierungen. „Natürlich“ und frei verkäuflich bedeutet nicht automatisch sicher. Die europäische Behörde EFSA hat die tolerierbare tägliche Gesamtzufuhr für Erwachsene 2023 deutlich niedriger angesetzt als frühere Grenzwerte. Wer supplementiert, sollte die Menge aller Produkte zusammen prüfen und anhand seines individuellen Laborstatus supplementieren.
Salz, Zucker und Kaffee: Verbote sind selten nötig

Bei Wassereinlagerungen kann es hilfreich sein, sehr salzreiche Fertiggerichte nicht zur täglichen Basis zu machen. Eine vollständig salzfreie Ernährung ist weder nötig noch sinnvoll. Auch Zucker verursacht PMS nicht. Süßes kann Teil einer normalen Ernährung sein. Wenn sehr zuckerreiche Snacks allein gegessen nur kurz sättigen, ist eine Kombination mit einer richtigen Mahlzeit oder einem proteinreichen Lebensmittel oft angenehmer.
Koffein kann bei manchen Frauen Unruhe, Schlafprobleme, Herzklopfen oder Brustspannen verstärken. Andere bemerken keinen Unterschied. Statt pauschal Kaffee zu verbieten, kann ein Symptom- und Zyklusprotokoll über zwei bis drei Monate zeigen, ob ein Zusammenhang besteht. Dasselbe gilt für Alkohol. Er kann Schlaf und Stimmung verschlechtern und ist daher besonders bei ausgeprägten psychischen Symptomen einen kritischen Blick wert.
Was die Studien insgesamt sagen
Eine systematische Übersichtsarbeit zu Lebensmitteln und Supplementen bei zyklusbezogenen Beschwerden fand keine ausreichende einheitliche Evidenz, um eine bestimmte Ernährungsstrategie allgemein zu empfehlen. Viele Studien sind klein, untersuchen unterschiedliche Präparate und erfassen Symptome nicht einheitlich. Das heißt nicht, dass Ernährung bedeutungslos ist. Es heißt, dass starke Versprechen nicht gerechtfertigt sind.
Sinnvoll bleibt ein insgesamt ausgewogenes Muster mit regelmäßigen Mahlzeiten, ausreichend Energie, Gemüse und Obst, Vollkorn, Proteinquellen und ungesättigten Fetten. Der Nutzen liegt nicht in einer angeblichen „Hormonentgiftung“, sondern in einer stabilen Nährstoffversorgung und einem verlässlichen Essrhythmus, passend zu dem individuellen Alltag. Hier kann die individuelle Ernährungsberatung sinnvoll sein, um fundierte Tipps und Empfehlung zur langfristigen Umsetzung und optimalem Versorgung ohne Verbote zu erhalten.
Wann mehr als Ernährung notwendig ist
Führen Sie über mindestens zwei Zyklen ein tägliches Symptomprotokoll. Nur so lässt sich erkennen, ob Beschwerden tatsächlich zyklisch auftreten. Bei starker Niedergeschlagenheit, ausgeprägter Reizbarkeit, Angst, Konflikten, Arbeitsausfällen oder Suizidgedanken ist zeitnah ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Hilfe erforderlich. PMDS ist behandelbar.
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Auch starke Schmerzen, sehr heftige Blutungen oder Beschwerden außerhalb der typischen Zyklusphase sollten gynäkologisch abgeklärt werden. Endometriose, Schilddrüsenerkrankungen, Anämie und andere Ursachen können ähnliche Symptome verursachen.
Vorsicht vor „Hormontests“ aus dem Internet
Speicheltests und einmalige Hormonmessungen werden häufig zusammen mit Ernährungsplänen verkauft. Die Hormone des Menstruationszyklus schwanken jedoch natürlicherweise, und PMS beziehungsweise PMDS wird vor allem anhand des zeitlichen Beschwerdemusters diagnostiziert. Ein einzelner Wert erklärt komplexe Symptome selten. Tests ohne klare medizinische Fragestellung können Unsicherheit und unnötige Supplemente fördern.
Ein tägliches Symptomprotokoll ist meist aussagekräftiger. Notiert werden Stimmung, körperliche Beschwerden, Blutung, Schlaf und relevante Belastungen. Essen muss dabei nicht in Kalorien zerlegt werden. Ziel ist, das Muster zu erkennen und gemeinsam mit der behandelnden Fachperson eine passende Therapie auszuwählen.
Ein praktischer Plan für schwierige Tage
Planen Sie ein bis zwei besonders einfache, sättigende Mahlzeiten ein, bevor die belastende Phase beginnt. Halten Sie passende Snacks bereit. Prüfen Sie nicht täglich Ihr Gewicht, wenn Wassereinlagerungen Stress auslösen. Schlaf, Bewegung und Pausen dürfen genauso wichtig sein wie einzelne Nährstoffe. Und erlauben Sie sich, auf stärkeren Hunger angemessen zu reagieren.
Das Wichtigste: PMS lässt sich nicht durch eine perfekte „Hormon-Diät“ verhindern. Regelmäßige, ausreichende Mahlzeiten und eine gute Calciumversorgung können sinnvoll sein. Supplements benötigen eine realistische Nutzen-Risiko-Abwägung. Starke psychische oder körperliche Beschwerden gehören professionell diagnostiziert und behandelt.
Quellen
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2. Siminiuc R, Ţurcanu D. Impact of nutritional diet therapy on premenstrual syndrome. Frontiers in Nutrition. 2023;10:1079417. https://doi.org/10.3389/fnut.2023.1079417
3. Reilly TJ et al. Intermittent selective serotonin reuptake inhibitors for premenstrual syndromes: systematic review and meta-analysis. Journal of Psychopharmacology. 2023;37(3):261–267. https://doi.org/10.1177/02698811221099645
4. EFSA Panel on Nutrition. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for vitamin B6. EFSA Journal. 2023;21(5):8006. https://doi.org/10.2903/j.efsa.2023.8006




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